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Toll war’s! Unter dem Leitmotiv #thinkahead15 des diesjährigen Marketing Rockstars Events haben am vergangenen Freitag 1.950 kreativ aufstrebende Köpfe die Messe Graz gerockt und dabei alle anderen branchenbezogenen Veranstaltungen in Österreich verstaubt aussehen lassen! Graz wurde zum Brennpunkt der „Marketing Fuzzis“, wie es Moderator Herr Hermes mit gewohnt frotzelnder Manier formulierte. 50 Speaker aus aller Welt haben zusammen mit DJs, welche die Pausen mit lauter Elektrobeschallung gefüllt haben, die 12 Stunden wie im Flug vergehen lassen. Das Bühnenbild war einzigartig detailliert gestaltet, bei den Messeständen gab es regelmäßig etwas Neues zu entdecken und insgesamt war das ganze Event von Anfang bis zum Ende perfekt durchorganisiert. Wir waren begeistert vom insgesamt großartigen Konzept der Messe und haben uns in dem nachhaltigen Ambiente extrem wohl gefühlt! Marketing Rockstars 2015 war im wahrsten Sinne des Wortes disruptive. Auf semantischer Ebene bekommt der Event eine glatte Note 1 von uns.
Es war ein inspirierender und motivierender Tag für alle Vorausdenker der marktorientierten Kommunikationsbranche. Unter den Speakern gab es wie immer auch einige Selbstdarsteller. Doch Persönlichkeiten wie Sebastian Tomich (@SebTomich) von The New York Times, Jeremy Abbett (@jeremytai) von Google oder Jay Curley (@jaycurley) von Ben & Jerry’s haben dies mit ihren Vorträgen gemäß dem Motto #thinkahead15 längst ausgeglichen.
Sebastian Tomich (@SebTomich) machte deutlich, dass Aufmerksamkeit nichts ist und nie etwas sein wird, was man kaufen kann:
“Technology changes everything, except the need for stories worthy of our attention. Attention is the one thing you can’t buy.”
Kei Shimada (@kei_shimada) von Dentsu führte mit seinem Vortrag die (zukünftige) Bedeutung von Wearable Technologies anhand von zahlreichen Beispielen als ein neues, intimeres Level von Mensch-Technik-Beziehungen vor Augen:
„It’s about engagement on an intimate level, access to more privacy. People will wear it. Branding on an unparalleled level. Think beyond personal, think intimate.“
Gerhard Kürner (@kuerner) von der Strobl Kriegner Group, vormals voestalpine AG, zeigte uns, wie wichtig Strategie ist. Die Bündelung von Themen, die auf die Werte der Marke einzahlen, ist ein wichtiger Faktor des Erfolges. Bisheriges Marketing folgt seiner Ansicht nach dem „Bowling-Prinzip“: Man versucht, Zielgruppen durch Schwungholen zu erreichen. Das geht leider oft am Konsumenten vorbei. Content ist – und sollte – medienneutral sein. „Mobile first“ sollte nicht nur ein Spruch sein, sondern wirklich gelebt werden: d.h. Denken vom mobilen Endgerät aus. Kürner spricht auch vom „digitalen Tsunami“ und meint die Tendenz der „Digitalisierung = Evolution of speed“ (Zitat: Hartmut Ostrowski, CEO Bertelsmann).
Alexander Matt von adidas sprach über „empowering originality“ und die Erfolge von adidas durch co-creation, innovation und personality. Das Bestreben der Marke ist es, nah an der Zielgruppe zu bleiben und diese in der „culture“ zu etablieren. Die 3 Streifen wurden über die Jahre zum Symbol der „urban culture“ und stehen auch heute noch dafür. Anfang des Jahres wurde der „Superstar“ Schuh wieder neubelebt und die „Supercolor collection“ aufgelegt. Der Vortrag brachte eine kompakte der Darstellung der Marke und der Aktivitäten, aber nur wenig echte Insights.


Der mit griffigen Beispielen untermauerte Vortrag von Torsten Panzer (@torsten_panzer) zu „Disruptive Storytelling“ betonte die Bedeutung von Mundpropaganda: Die mündliche Empfehlung sei die effektivste aller Werbungen und das Maß der Dinge.
Wo andere in den festgefahrenen Denkstrukturen der 4 P’s des Marketings verhaftet bleiben, sieht Panzer „People“ als das 5. „P“ und damit den Angelpunkt des Produkterfolgs:
„Bei einem Disruptive Scheme fangen die Menschen an, darüber zu sprechen! People erzählen die Botschaft über die Marke weiter. Der Konsument ist längt ein digitaler Konsument. Das lässt Marken zum Rockstar werden.“
Die Märkte verändern sich – vom Anbieter zum Nachfragemarkt. Panzer spielt uns ein Video von Prof. Peter Kruse vor. Erster Gedanke: Verstaubte Theorie, aber dann absolute Überraschung und fast Gänsehaut bei den Erkenntnissen des Professors. Hier sein Beitrag “Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen”:
Die Vernetzungsdichte hat sich gravierend erhöht, ebenso wie die daraus folgende Spontanaktivität in den Systemen. Er bezeichnet die Retweetfunktion von twitter als „kreisende Erregung“. Dadurch haben die Systeme eine Tendenz zur Selbstaufschaukelung. Das heißt, die Systeme sind im Begriff, mächtig zu werden. Die Motive, um im Netz aktiv zu sein, sind: Information – Darstellen – Spuren hinterlassen – Menschen schließen sich zu Bewegungen zusammen. Es wird immer wichtiger, Resonanzmuster der Gesellschaft zu erkennen, um auf den Markt reagieren zu können. Macht definiert sich neu, nämlich vom Anbieter zum Nachfrager: „Wir bekommen einen extrem starken Kunden, einen extrem starken Mitarbeiter, einen extrem starken Bürger.“ Das Video von Prof. Kruse beeindruckt zum Thema „Menschen machen Meinung“.
Panzer postuliert, dass nicht die Marke über sich spricht, sondern andere das tun. Wir müssen das Vertrauen wiederfinden in der Orientierungslosigkeit. Wie? Über Empfehlungen, Gespräche – und dabei verweist er auf das Cluetrain Manifesto: „Märke sind Gespräche“ – so die erste von 95 Thesen des Cluetrain Manifestos.
„We are all creative motherfuckers!“; das wissen wir nun seit dem Vortrag von Scott Morrison von Diesel. In 40 impulsiven Minuten haben wir gelernt, wie wir unsere kreative Seite aktivieren und spüren. „Piss on the creative fence … unlock the unconscious.“ Ja, Grenzen sprengen, neu denken ist das Motto. Um in den creative flow zu kommen, braucht man OIL: Opportunities, Ideas, Living it. So betrachteten wir unsere Ideen durch vier „Linsen“ und spürten am Ende den creative motherfucker in uns.
Einen gelungenen Abschluss bildete der „Headliner“ des Tages. Jay Curley (@jaycurley) sprach über die Erfahrungen mit „Creating Authentic Experiences“. Ben & Jerry’s ist mehr als ein Eis, es ist in einem mission statement verhaftet:
„Authenticity can’t be bought. You need to nurture it. Our approach is: We think about our fans first. We wanna love our fans more than they love us.“
„We are doing Marketing on accident.“ Lon Safko, Innovative Thinking
„Take care of the message.“ Lon Safko, Innovative Thinking
„Die Verpackung trägt die Marke mit und darf dieser nicht widersprechen.“ Sabine Lacher, LDD Communications
„Disruptive sind Geschichten, die keiner erwartet hat, aber zur Marke passen.“ Torsten Panzer, Kommunikationsberater
„Wir denken als Kreativplattform, um die Marke neu zu definieren.“ Alexander Matt, adidas
„Tesla is pushing the E-cars. Tesla makes „E“ sexy … It’s about design, not technology … That’s why design is so important.“ Jeremy Abbett, Google
„You can’t deny your own benefits.“ Scott Morrison, Diesel
„What we say: „Yes, it’s all about content and about (brand) codes!“ Charlotte Hager, comrecon
Weitere Bilder zum Event gibt es u.a. bei leadersnet.at: https://bit.ly/1E8wt7A.
Nächste Jahr heißt es sicher wieder: Let’s rock! Wir rocken mit!
ambuzzador: https://www.ambuzzador.com/blog/marketing-rockstars-2015/
Digitalschmankerl: https://www.digitalschmankerl.at/marketing-rockstars-2015/
Official Site: https://marketingrockstars.at/thinkahead15/
“Nomen est omen” wussten bereits die alten Römer. Namen sind Zeichen! Namen bezeichnen uns, sie eilen uns quasi in der Bewertung durch andere voraus. Diese Bewertung ändert sich aber auch im Laufe der Zeit. So waren vor einigen Jahren noch Namen wie Gertrud, Hildegard, Erna, Ilse, Adalbert, Theodor, Erhard usw. en vogue, heute sind es mehr Namen wie Mia, Lena, Leon, Jonas u.a. Wer demnach einen Namen trägt, den die Menschen vor 100 Jahren hatten, dem eilt nicht unbedingt der Ruf eines modernen Menschen voraus. Dieser Effekt der Namen haben Psychologen und Soziologen bereits vor Jahrzehnten herausgefunden. Wir sind also auch bei Namen nicht vor stereotypen Gedanken gefeit! So bewerteten laut einer Studie Lehrer Aufsätze von geläufigen Namen besser als ungewöhnlich klingende. Die Gründe dafür: 1. Mit wohlklingenden und beliebten Namen wird ein höherer gesellschaftlicher Status verbunden, 2. wird teils auch auf Erziehungs- und Fürsorgedefizite geschlossen.
Zu bedenken gilt es auch, dass Namen oft eine Herkunft haben: Claudia geht auf die Claudier, ein römisches Patriziergeschlecht, zurück. Die Wortherkunft kann sich aber auch von “claudere”, lat. “zuschließen”, “verschließen” ableiten. Der Name Felix bedeutet “glücklich”, “Glück bringend”. Mit dieser Konnotation lässt sich gut leben …
Jedenfalls gibt es altmodische, moderne und zeitlose Namen. Und die meisten haben eine geschichtliche Herkunft. Dies sollte man bei der Namensgebung berücksichtigen, um seine Kinder nicht unglücklich zu machen. Der letzte Ausweg wäre eine Namensänderung oder ein Künstlername, wenn man den Weg in die Öffentlichkeit sucht.
Klicken Sie sich auf der Seite der beliebten Vornamen ein – sehr spannend: www.beliebte-vornamen.de
Es hört sich fast skurril ist an, dass Initialen unsere Kaufhandlungen mitentscheiden sollen! Miguel Brendl, Marketingprofessor an der Wirtschaftsschule INSEAD bei Paris, fand heraus, dass bei der Wahl von Schokoriegeln, die spontan bevorzugt wurden, die mit dem gleichen Buchstaben begannen wie der eigene Vornamen.
Einen weiteren Versuch führte der Sozialpsychologe Jozef M. Nuttin von der Uni in Leuven (Belgien) durch. Er entdeckte den Name-Letter-Effekt und wies in 12 Sprachen nach, dass Buchstaben aus dem eigenen Namen weitaus höher bevorzugt werden als nicht darin vorkommende.
Worauf lässt sich dies zurückführen? Die simple Antwort: Wir mögen, was zu uns gehört! Diese Tendenz nennt sich laut Psychologie “Implicit Egotism”, also “implizite Selbstbezogenheit”. Der eigene Name ist ein wichtiger Teil unseres Selbstkonzeptes. Implizit Assoziationstest (IAT) haben Sie vielleicht schon gehört. Auch dabei geht es um Einstellungen und unbewusste Reaktionen auf bestimmte Reize (wie Marken, Produkte, Namen etc.). Der IAT basiert auf der Annahme, dass das Gehirn Informationen nach ihrer Bedeutung gruppiert und speichert.
Was bedeutet das aus Sicht der Konsumenten? Es gibt einen unbewussten Sympathiebonus aufgrund des Namens – unabhängig davon, ob es sich um Personen, Unternehmen, Marken, Produkte etc. handelt. Selbstverständlich muss bei Produkten ein gewisses Bedürfnis nach dem Konsumgut bestehen, damit die emotionale Bedeutung des Namens noch einen Zuschuss zur Sympathie liefern kann.
Studien belegen auch, dass sich Menschen in Marken wiederfinden, da sie bestimmte Bedeutungen, Überzeugungen und Werte kommunizieren, wodurch sie zur Identitätsbildung beitragen. In vielen Produktkategorien haben wir ein dichtes Angebot. Vor allem in der Autobranche, der Nahrungsmittel, der Elektronik u.v.m. In der Fülle der Produkte zählt also nicht nur das richtige Produktversprechen, sondern auch der richtige Name. Markennamen müssen aktivieren.
Markennamen und Produktnamen sind semiotische Zeichen – sie tragen eine gewisse Bedeutung in sich. Sie identifizieren das Unternehmen oder das Produkt – möglichst eindeutig. Der Bezug von Name zu Marke oder Produkt ist ein symbolischer, da willkürlich gewählt. Auch bei Markennamen sollen Attribute vermittelt werden, die sich auf die Marke übertragen. Die Bedeutung, die beim Konsumenten entsteht, hängt weiters von seinem soziokulturellen Background ab. So stoßen wir immer wieder auf Probleme, wenn globale Markennamen in verschiedenen Ländern eine andere als intendierte Bedeutung haben (Beispiele folgen weiter unten). Starke Namen beeinflussen die Wahrnehmung der Konsumenten und geben ihnen Orientierung in der Fülle der Möglichkeiten.
Namen für Marken und Produkte werden entwickelt, um in der Zielgruppe Assoziationen und Erwartungshaltungen zu wecken. Sie bilden eine Reduktion der Attribute in codierter Form und tragen damit auch zum Image bei. Wichtig ist demnach, dass (nicht nur) die Zielgruppe den Namen richtig decodiert und versteht.
Die fünfte Kategorie ist spannend, da der ihnen zugrunde liegende semantische bzw. symbolische Wert durch die phonetischen Attribute übertragen wird. Sie generieren neue sprachliche Symbole. Studien belegen, dass Buchstaben und deren Kombinationen unterschiedliche Konnotationen bezüglich Größe, Form, Helligkeit und Gesamteindruck eines Objektes erzeugen. Die Buchstaben <a> und <o> symbolisieren Tiefe und Größe, <i> hingegen ruft die Vorstellung von kleinen Dingen hervor. Bei den Konsonanten unterscheidet man weichklingende, stimmhafte Laute wie <d>, <l>, <m>, <n>, <w> und harte, stimmlose Laute wie <f>, <k>, <r>, <t>, <p>. Die weichen Konsonanten wecken Assoziationen von Harmonie, Weichheit, Sanftheit und auch Weiblichkeit während die harten Konsonanten mit Härte, Dynamik, Elan, Kraft und Männlichkeit in Verbindung stehen.
Die Namenskreationen sollen motivieren, stimulieren und sympathisch sein.
Coca-Cola versus Pepsi Cola: Wir alle kennen die Blindverkostungen der beiden Marken. Die Frage ist, warum Coca-Cola trotz schlechteren Abschneidens in Blindverkostungen trotzdem höhere Marktanteile besitzt und sympathischer bewertet wird? Die Marke Coca-Cola besitzt mehr Strahlkraft. Mittlerweile gibt es auch Tests in Kernspintomographen, bei denen die Gehirnaktivitäten ersichtlich werden. Interessanter Unterschied: Coca-Cola stimuliert den medialen präfrontalen Kortex (vordere Gehirnregion), der für höhere kognitive Fähigkeiten der Menschen und dessen Selbstbild verantwortlich ist. Pepsi jedoch nicht. Das heißt: Die Eigenschaften eines Produktes sind schwächer als die psychologische Wirkung der Marke.
Der semantische Wert der beiden Marken unterscheidet sich und untermauert die Ergebnisse der Aktivitäten im Gehirn. Coca-Cola ist eine Wortwiederholung, bei der sich ein Buchstabe ändert. Die <o> <a> Kombination verlängert die Aussprache und wirkt wie <oohh> und <aahh> – das wiederholt wird. Pepsi ist ein Wort mit harten Konsonanten und einem Vokal. Die Silben <Pep> und <si> wirken härter als bei <Co> <ca>, das Wort Pepsi wird schneller gesprochen. “Coca-Cola” hat den Vorteil der Wiederholung und der Tonalität der Buchstabenfolge.
Es gibt Marken und es gibt Modelle. Dabei werden unterschiedliche Namensstrategien angewendet. Es kommen alle oben genannten Kategorien zum Einsatz, die ich hier beleuchten möchte:
Aus dieser Sicht gilt es auch zu hinterfragen, warum die Marke Opel über die Jahre hinweg Marktanteile verloren hat. Eventuell liegt es auch an der Unstrukturiertheit der Namensgebung. Es wurden aus fast allen Kategorien Namen gewählt. Die Namen der Modelle zeigen keine Abgrenzung innerhalb der Herstellermarke, aber auch nicht im Vergleich zu den anderen Marken. Ob Astra, Insignia, Corsa, Zafira, Meriga, Vectra etc. – es sind Namen, die keine Rückschlüsse auf die Vorzüge des Modells zulassen.
Fehlschläge bei der Namensgebung
Die Vergabe von Namen ist kein leichtes Unterfangen und sollte gut geprüft werden, bevor man zur “Taufe” schreitet. Gerade die semantischen Wertefelder und Bedeutungsräume sollten klar abgeklärt werden. Ist der Name raus, kann Vieles schieflaufen.
Ihre Charlotte Hager von comrecon°
Artikel zum Weiterlesen
Gehirn&Geist: “Die Macht der Initialen“, 6.2.2009
Gehirn&Geist: “E-Mail-Adresse lässt auf Persönlichkeit schließen“, 7.5.2008
Stern.de: “Die 10 peinlichsten Autonamen“, 10.11.2009
Stern.de: “Keiner will den ‘Wichser’ fahren“, 4.12.2006
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