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Hornbach – 2023.comrecon.com https://2023.comrecon.com Thu, 13 Oct 2016 14:39:46 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Zeig der Welt Deinen Heldenkranz https://2023.comrecon.com/heldenkranz/ Thu, 13 Oct 2016 14:39:46 +0000 https://comrecon.com/?p=2902 [cs_content][cs_section parallax=”false” style=”margin: 0px;padding: 45px 0px;”][cs_row inner_container=”true” marginless_columns=”false” style=”margin: 0px auto;padding: 0px;”][cs_column fade=”false” fade_animation=”in” fade_animation_offset=”45px” fade_duration=”750″ type=”1/1″ style=”padding: 0px;”][cs_text]

Der Sommer-Spot der Agentur Heimat für ihren Kunden Hornbach schlug wieder einmal Wellen der Aufregung. Ein kurzer, aber sehr packender Aufruf, den “Heldenkranz”, nämlich die männliche Glatze, stolz und voller Kampfesgeist zu präsentieren.

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Eine ganz eigene Stimmung

Gleich von Beginn an erzeugt der Spot eine ganz eigene Stimmung: Wir sehen und hören ein Feuerwerk an Zeichen, Symbolen und Codes, die womöglich so schnell gar nicht richtig einzuordnen sind. Eine im Grunde humoreske Botschaft wird dramatisch inszeniert und bekommt durch Bildwelt, Sprache, Tonebene und das Einblenden von Schwarz-Weiß-Szenen eine gefühlte Ernsthaftigkeit, deren Spannung sich erst am Ende beim Einblenden des Hornbach-Logos auflöst.

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Männer mit Glatze

Im Spot wird eine Versammlung erwachsener, älterer Männer mit Glatze von einem Hauptakteur angespornt, “leuchtende Vorbilder” zu sein und “dem Wahnsinn der Welt die Stirn” zu bieten – sie seien “begehrt und bewundert”. Es wird eine appellative und kampfeslustige Sprache verwendet, die sich über den Verlauf steigert und ihre Resonanz bei den Männern erfährt, die in einen Sprechchor einstimmen und immer wieder “Heldenkranz” – immer energischer werdend – skandieren.

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Geboten wird ein Spannungsfeld aus der verbalisierten Bereitwilligkeit, “der Welt die Stirn zu bieten”, und einer körperlichen Starre und Trance, einer Bereitschaft, jemandem zu folgen:

Die Männer in der dunklen Halle richten, leicht aufschauend, ihren Blick unnachgiebig nach vorn, folgen nahezu blind und ohne körperliche Regung einer Stimme, sprechen etwas nach und wirken wie paralysiert. Zum Schluss der Aufruf: “Darum tragt ihn mit Stolz – euren Heldenkranz!” – und die Männer zeigen ihre Glatze mit einer ruckartigen, militärisch anmutenden Kopfneigung.

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Kulturelle und gesellschaftliche Stereotypen

In der Story werden kulturelle und gesellschaftliche Stereotype bedient, eine sogenannte Kollektivsymbolik, die auf vergangene, politisch problematische Zeiten verweist – nicht allein durch den “Anführer”, sondern auch durch die weiteren Szenen mit Bildern von sich drehenden Männerköpfen.

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Szenen der Vergangenheit

Wir sehen Szenen wie aus der Vergangenheit, was sich auch darin zeigt, dass die Bilder mitunter leicht hüpfen: Die Halle ist eine Metapher für die Einigkeit, die Verbindung, in der die Abgrenzung dieser Gruppe von anderen deutlich wird. In der Mitte befindet sich eine helle Kuppel, die als Lichtquelle dient und Erleuchtung symbolisiert – wir sehen den Hauptakteur darunter seine Rede halten, was die Dramatik steigert.

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Der Spot mischt Vergangenheit und Gegenwart und vermittelt eine Ideologie der Andersartigkeit. Das ethnozentristische Verhalten der Männer bildet den normativen Maßstab, mit dem “der Rest der Welt” bemessen wird:

Vermittelt wird das Gefühl der Macht, des Größerwerdens, des Abgrenzens vom Rest der Welt, der nicht so ist wie die Männer, die der “Heldenkranz” ein.

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Der Heldenkranz – ein Ehrenzeichen

Geschichtlich betrachtet ist der Heldenkranz ein Ehrenzeichen und eine Grabbeigabe, er war u.a. in kriegerischen Zeiten ein Zeichen unerschütterlicher Treue und Gefolgschaft. Und hier sind ebenfalls Männer, die bereit sind zu folgen:

Wir sehen die Kampfeslust auch im Blick des Hauptakteurs, wenn er am Ende seine Lippen spannt und die Augenlider weit öffnet: ein Zeichen der Aggression und Bereitschaft.

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Wir sehen eine konventionalisierte Darstellung bekannter Sachverhalte aus der politischen Vergangenheit:

So wie der Sensenmann das Sinnbild des Todes ist, so ist der Hauptakteur in der Halle das Sinnbild für Führung und Aufstachelung.

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Fazit

Haben wir es mit einer satirischen Überzeichnung zu tun? Satire hat Aktualitätsbezug, hier sehen wir jedoch historische Verweise. Es wird eine Geschichte um eine Glatze inszeniert, die bewusst irreführt und Aufmerksamkeit erregt.

Das Hornbach-Logo entkräftet zwar die militärische Inszenierung und versucht damit Spannung und Ernsthaftigkeit herauszunehmen. Dennoch, die Verknüpfung von Geschichte und Absender bleibt als fahler Beigeschmack – und die Frage, ob dies einfach nur witzig oder doch ernst gemeint ist.

Einmal mehr tanzt Hornbach auf einem dünnen Seil – wie auch schon beim 2013er- Panzerhammer, in dem definitiv politisch nicht korrekte Symbolik zu finden war.

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Hornbach – diese Werbung ist der Hammer! https://2023.comrecon.com/hornbachhammer/ Tue, 27 Aug 2013 07:02:56 +0000 https://comrecon.wordpress.com/?p=602 Erstmalig in der Geschichte des Werberates gab es Uneinigkeit bei der Bewertung eines Werbesujets. Die Entscheidung war nahezu stimmengleich auf die Kategorien „Kein Grund zum Einschreiten“, „Sensibilisierung“ und „Aufforderung zum sofortigen Stopp“ verteilt. Wieso herrscht derartige Uneinigkeit? Und wieso gibt es so viele Blogartikel und Kommentare zur Hornbach Hammer Kampagne (Agentur Heimat Berlin)?

Hornbach Hammer
Hornbach Hammer

Die Kampagne polarisierte und erregte die Gemüter. Woher rührt diese extreme Emotionalisierung? Was stört die Gegner so, warum behaupten sie, rechtsextreme Botschaften wahrzunehmen? Finden sich versteckte Botschaften in dem Sujet? Betrachten wir das Sujet aus semiotischer und neuropsychologischer Sicht.

Die Bildgestaltung ist bewusst gewählt: Die Sepia-Grau-Farbwelt versetzt uns bei der Betrachtung des Sujets in vergangene Tage der Propaganda-Plakate. Die erste Anmutung erinnert an Tage des Krieges. Der BMP-1 Schützenpanze – der erste übrigens, der in Massenproduktion gefertigt wurde, in Summe 26.000 Exemplare bis dato – ist in vielen Kriegen auf der Welt im Einsatz und damit ein Symbol des Krieges, ein Gefechtsfahrzeug der Infanterie, die ja bekanntermaßen mit Handwaffen bestückt ist.

Thors Hammer

Auch der Hammer war in früheren Zeiten eine Waffe. Der Streithammer oder Kriegshammer wurde als Schlagwaffe eingesetzt, um Rüstungen zu deformieren. Und er ist die mythologische Waffe des germanischen Gottes Thor. Dieser dient auch als Vorbild für das Logo der „Hammerskins“, einer neonazistischen Vereinigung, gegründet in Texas, die mittlerweile auf der ganzen Welt Anhänger hat. Das Logo der Hammerskins sind zwei überkreuzte Hämmer auf einem Zahnrad. Wir finden beide Zeichen im Sujet, wenn auch nicht direkt übereinander. Wir finden immer wieder Zahnräder: Sie besiegeln die Ecken des Sujets und eines ist übergroß in Szene gesetzt hinter dem großen Hammer quer über das Bild. Wir finden zwei Hämmer, die in entgegensetzter Richtung einander zugewandt sind – eine Überkreuzung wird damit unausweichlich angedeutet. Im kleinen Bild rechts sieht man zwei Hämmer oder Nägel überkreuz. Überkreuzungen sind ebenso Andeutungen von Macht und Krieg, von Zorn und Blutvergießen. Überkreuzte Schwerter neben Menschennamen bedeutet, dass diese im Krieg gefallen sind. Die Kraft des Hammers zerschmettert, ein Schlag ist endgültig. Ein Hammer ist ein Insignium der Macht.

Symbolik des Zahnrads

Die Bedeutung des Zahnrades ist ebenso interessant, denn es ist das Symbol der Arbeiterschaft. In Verbindung mit dem Hakenkreuz war es im 2. Weltkrieg das Emblem der größten NS-Massenorganisation, der Deutschen Arbeitsfront DAF. Auch heute noch ist das Zahnrad Symbolik der Rechtsextremen.

In dieser Kampagne wird nicht der Nutzen des Hammers fürs Handwerk dargestellt. Der Kontext ist Krieg und Gewalt und der Hammer ist eingebettet in das Wirkgefüge des Panzers. Die Welt ist anders, sie düster und von Panzern, Ketten, Rauch, spitzen Gegenständen geprägt. Sie ist unruhig, durcheinander, es ist schwer, Zusammenhänge zu erkennen. Es herrscht Chaos.

Über alldem herrscht der Hammer, der in extremer Vergrößerung über das Bild gelegt ist. Er besiegelt die Botschaft quasi. Hinter dem Hammer erkennt man die Panzerkette, die stark vergrößert und alleine dargestellt ist. Sie verschmilzt mit dem Hammer. Dieser wurde aber nicht aus dem Material der Kette gefertigt, sondern aus der Verkleidung. Somit entsteht eine Verknüpfung der Bedeutung der Kette mit der des Hammers.

Die Panzerkette, um die herum sich Strahlen verbreiten, erinnert aufgrund ihrer Form an ein Symbol aus der Neonazi-Szene: die Schwarze Sonne oder das Sonnenrad, ein Kunstprodukt der „SS“. Diese erhält in der Neonazi-Szene immer größere Verwendung bei Lifestyle-Produkten und dient quasi als Ersatz für das Hakenkreuz. „Die Schwarze Sonne“ strahlt hinter dem Hammer und verschmilzt damit mit seiner Bedeutung.

Aufgrund des limitierten Angebotes, wird noch mehr ausgedrückt: Exklusivität und noch mehr – dieses Produkt wurde für bestimmte Menschen gemacht. Auch in Facebook  wird man bei einer Kampagne auserwählt, um dieses Artefakt zu erhalten: „Gibt es für Dich heute einen Hornbach Hammer? Finde es heraus.“

„Geboren aus Panzerstahl. Gemacht für die Ewigkeit.“

Hornbach spielt mit dem Mythos von Auferstehung und Unsterblichkeit. Nach unserer christlichen Lehre ist der Tod der Übergang in das vollendete ewige Leben. Man wird neugeboren, die Seele lebt durch den Tod weiter. Im unteren Teil des Bildes wird ein Hammer wie ein frischgeborener Säugling, gebettet in ein Tuch, gehalten. Der Hammer ist quasi die Auferstehung des Panzers, der damit nicht mehr sterben kann, die Vollendung einer vollkommenen Schöpfung. Aus einem großen Teil werden nun viele – genau genommen 7.000 Stück. Der Hammer steht pars pro toto für den Panzer und damit seinem ganzen bedeutungsgeladenen Umfeld. Und genau das macht das Sujet so umstritten.

Kein “Schwerter zu Pflugscharen” machen

Es ist nicht wie beim biblischen Bild Schwerter zu Pflugscharen machen, in dem viele Teile zu einem neuen gemacht werden. Im Hornbach Fall wird aus einem Teil ein Vielfaches gemacht. In der Mythologie gibt es bei vielen Völkern die Vorstellung, dass man die Seele in externen Gegenständen fangen kann. Das was bei Harry Potter die Horkruxe sind, gab es in der Mythologie schon viel früher. Ziel ist es, die Seele in einem anderen Objekt einzufangen, um diese unsterblich zu machen – für die Ewigkeit. Die Hammer sind Teile des Panzers und leben seinen Spirit somit fort. Die Bildwelt, Farbgestaltung und Headline untermauert dies geradezu.

Fazit

Die Gestaltung ist dunkel und wirkt betagt, erinnert an eine kriegerische Vergangenheit. Für einige Betrachter wirkt dies bedrohlich und unangenehm. Es gibt keine Auflösung von vorher zu nachher im Sinne des Guten, das hervorgebracht wurde.

Der Hammer wird in dieser Botschaft nicht als Handwerksgerät in Szene gesetzt, sondern mehr als ein Teil des Panzers und damit seiner Wirkkraft. Jeder kann nun einen Teil des Panzers besitzen und kauft sich damit ein Stück Macht, Überlegenheit – die „Seele“ des Panzers. Was bleibt von der Botschaft hängen: Wir verknüpfen bei der Betrachtung die Zeichen mit unseren im Unterbewusstsein abgespeicherten Erinnerungen und unserem Wissen – Schemata und Emotionen. Die Konnotationen um den Panzern werden damit unbewusst auf den Hammer übertragen. Das Gute der Aktion – nämlich wirklich einen Panzer zu einem Werkzeug zu machen – bleibt verborgen. Hornbach macht leider nicht aus Schwertern Pflugscharen, sondern durch diese Werbebotschaft aus Panzern eine Massenauflage eines kriegerischen Totems.

Dieser Beitrag ist auch erschienen im a3BOOM! 7-8/2013

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