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2023.comrecon.com https://2023.comrecon.com Thu, 24 Aug 2023 08:04:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Der Lebensunternehmer Podcast https://2023.comrecon.com/der-lebensunternehmer-podcast-charlotte-hager/ Fri, 13 Aug 2021 08:45:18 +0000 https://comrecon.com/?p=4767

Johannes Ellenberg führte in seinem Lebensunternehmer Podcast ein Gespräch mit Charlotte Hager über ihr berufliches und privates Leben.

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How to create brand experience https://2023.comrecon.com/how-to-create-brand-experience/ Mon, 22 Feb 2021 13:44:22 +0000 https://comrecon.com/?p=4705

Was machen gute Brands anders? Warum bleiben manche Marken einfach besser im Gedächtnis als andere? Was sind „Love Brands“? Sie glauben, Brand Experience funktioniert nur bei Konsumgütern wie Bier oder Autos? Weit gefehlt. Auch Unternehmen, die Dienstleistungen oder Services anbieten, können Anziehungskraft ausüben, sodass sie gegenüber anderen Marken oder Anbietern bevorzugt oder gar „geliebt“ werden. Mal unter uns: Welche Marken lieben Sie? Warum?

Von Pains und der Sehnsucht nach Einfachheit

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben einen Flug gebucht und wollen online einchecken. Ihre Fluglinie schickt Ihnen sogar eine Erinnerungsmail mit einem Link. Sie klicken – der Link führt aber nur zu einer Eingabemaske, wo Sie nach dem Buchungscode gefragt werden. Oh nein, wo finde ich den wieder? Sie stöbern also möglicherweise minutenlang Ihre E-Mails durch, geben den Code ein und checken ein. Sie wollen den Sitzplatz ändern, das funktioniert aber auf Ihrem Smartphone nicht. Sie müssen also den ungeliebten Platz nehmen … Die Abreise steht bevor, Sie machen sich auf den Weg zum Flughafen. Der Taxifahrer fragt nach dem Terminal. Hm, keine Ahnung. Steht nicht auf dem Ticket. Am Flughafen geht die Suche weiter: Schalter? Gate?

Die Geschichte lässt sich sicher noch weiterführen, oder? Das sind Pains. Mich schmerzt es, es kostet Zeit und Nerven, sich um diese lästigen Dinge zu kümmern, die doch einfacher ablaufen könnten. Einige Airlines haben diese Pains erkannt und digitale Prozesse auf- gesetzt. So zum Beispiel United, die mir eine SMS schicken: „We’ll see you soon! Your flight to XY departs at 2:30 pm from Gate D51.“ Super, ich weiß, wann und wo, und genieße noch einen Kaffee in der Nähe des Gates. Die nächste SMS: „Here we go! Your flight to XY is now boarding from Gate 51 – we look forward to seeing you soon.“ Perfekt, ich mach mich auf den Weg. Was ist daran toll? Ich habe das Gefühl, die verstehen mich, sie sind in einer Kommunikation mit mir. Ich weiß Bescheid und bekomme Orientierung: örtlich und zeitlich. Beachten Sie auch den Sprachstil. Er ist locker und sehr menschlich. Keine rein rationale Info. Der Effekt sind positive Emotionen: Ich bin gechillt.

Dieses Beispiel erscheint banal, ist es aber nicht. Denn genau hier entsteht Brand Experience: Wie erlebe ich die Marke, wie geht sie mit mir um, wie verhält sie sich? Bin ich ihr wichtig oder reicht es, wenn ich kaufe?

Überlegen Sie auch mal für Ihr Unternehmen: Wo setzen Sie bewusst Zeichen? Wo gehen Sie auf solche Pains im Alltag ein und machen es dem Kunden leichter? Das alles sind Zeichen der Wertschätzung: Sie haben beobachtet, zugehört, erkannt und gehandelt. Sie gehen in eine echte Beziehung mit dem Kunden und erkennen seine Bedürfnisse.

Anderes Beispiel: Machen Sie gern Ihre Steuererklärung? Und können Sie sich an Ihr erstes Mal erinnern, als das Finanzamt Sie aufgefordert hat, Ihre Steuererklärung einzureichen? Angst bis hin zur Panik: Wie, wann, wohin?! Diesen Pain hat das Steueramt des Kantons St. Gallen erkannt und eine eigene Website ins Leben gerufen: „Mach’s eifach!“ Ich habe das „n“ nicht vergessen. Es wird bewusst die Sprache der Menschen aufgegriffen, dadurch Vertrauen geschaffen und eine Beziehung aufgebaut. Die Sprache auf der Website holt die Menschen genau bei ihren Bedürfnissen ab: „Du musst zum ersten Mal deine Steuererklärung ausfüllen? Das ist eine neue Herausforderung … Unsere Expertin Mia zeigt dir, wie du das ganz einfach schaffst und nebenbei auch noch Geld sparen kannst.“ Wow, oder? Wer hätte das erwartet? Von einem Steueramt! Und es gibt eine Person – Mia –, die für mich da ist. Mia ist eine junge Frau mit lockigem Haar, lebenslustig und in Steuerfragen verzweifelt.

Sie nimmt die Rolle all derer ein, die ihre Steuererklärung das erste Mal machen müssen – ich kann mich mit ihr identifizieren. Sie stellt die Fragen, die ich auch haben könnte. Ihr Outfit ist bewusste Zeichensetzung: Sie trägt Lila, die Seite selbst ist in Grün gehalten. Lila, die Farbe der Transformation, der Veränderung. Grün die Farbe der Hoffnung und der Sicherheit. Sehr stimmig. Das Steueramt greift zudem noch auf geheime Sehnsüchte zurück: Du kannst auch noch Geld sparen. Und plötzlich macht das Thema Spaß. Was hat das für eine Wirkung? Das Steueramt wird reframt: Es ist nicht mehr Gegenspieler in meinem Leben, sondern Helfer.

Prozesse stärken Markenbeziehungen

Marken können durch (digitale) Prozesse gestärkt werden. „Wenn Sie einen scheiß Prozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess“, sagt Thorsten Dirks, CEO der Telefónica Deutschland AG. Wie recht er damit hat. Im ersten Schritt müssen wir Pains identifizieren, Prozesse definieren und an Kontaktpunkten spezifische Markenerlebnisse schaffen.

Wenn Sie Ihre Beziehung stärken wollen, dann lösen Sie die (Alltags-)Probleme Ihrer potenziellen Kunden und zeigen, dass Sie diese verstehen und Lösungen parat haben. Egal wann und wo.

Ihr Weg zur starken Brand Experience

  • Denken Sie Ihre Marke aus Sicht potenzieller Anwender: Was sind deren Pains and Gains im Alltag? Hören Sie zu! Bohren Sie tief und entdecken Sie, was Ihnen bisher verborgen war, weil Sie zu sehr vom Produkt oder der Dienstleistung ausgedacht haben. Was hat sich durch Covid-19 verändert, was ist gleich geblieben?
  • Zeichnen Sie eine Touchpoint Journey: Wo und wie begegnet man Ihrer Marke und welche neuen Touchpoints könnten Sie noch nutzen? Vor allem die digitalen Touchpoints werden immer wichtiger.
  • Denken Sie in Prozessen, um die Wirkung an den einzelnen Touchpoints zu definieren. Investieren Sie Zeit in Touchpoint Design. Analysieren Sie, wo Sie noch nicht waren.
  • Setzen Sie an den einzelnen Touchpoints die richtigen Zeichen in Form von Sprache, Bildwelt, Kleidungsstil, Verhalten, Schrift, Storytelling etc. Die Botschaft entscheidet, welche Wirkung Sie erzielen.
  • Kontrollieren Sie laufend, ob sich die Prozesse verändern oder die Pains Ihrer Kunden und auch, was der Wettbewerb macht. Gerade jetzt ändert sich viel durch Covid-19, durch die rapide Digitalisierung und durch veränderte Kundenbedürfnisse, -erwartungen und -ansprüche.
  • Stellen Sie sich immer wieder die Frage: Wofür sollen unsere Kunden unsere Marke lieben? Beziehen Sie Haltung und Stellung.

Erstmals erschienen in der Marketing & Sales Review 2020 des Club 55 – European Community of Experts in Marketing & Sales. Adaptiert auf die aktuelle Zeit.

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“Setzt Du die richtigen Zeichen beim Sprechen?” https://2023.comrecon.com/podcast-mit-arno-fischbacher-und-charlotte-hager/ Thu, 17 Dec 2020 10:27:27 +0000 https://comrecon.com/?p=4665 Die Stimme und ihre Tonalität als semiotisches Zeichen und ihr bewusster Einsatz mit oft unbewusster Wirkung. Welche unbewussten Signale senden wir und was kommt beim Empfänger werblicher Kommunikation tatsächlich an?

Arno Fischbacher, “The Voice”, Wirtschafts-Stimmcoach, Rhetoriktrainer, Redner und Autor im Gespräch mit Motiv- und Zeichenforscherin Charlotte Hager.

Hören Sie den gesamten Dialog hier:

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Marke, Image & Audio https://2023.comrecon.com/marke-image-audio/ Wed, 07 Oct 2020 09:07:32 +0000 https://comrecon.com/?p=4632 Charlotte Hager spricht mit RMS Geschäftsführer Joachim Feher über „Marke, Image & Audio – warum Audio in Zeiten von Corona das perfekte Medium ist”. Es reicht als Marke längst nicht mehr aus, nur visuell wahrgenommen zu werden. Um Konsumenten zu erreichen, werden im besten Fall Markenbotschaften an alle Sinneskanäle gesendet. Dabei nimmt Audio eine sehr wichtige Rolle ein, um Emotionen auszulösen und Vertrauen aufzubauen.

„Audio ist für mich tatsächlich ein Kanal, der noch unbewusster stattfindet als Video. Radio ist der Schlüssel, der eine Tür aufmacht, um weitere Botschaften zu transportieren”, so Charlotte Hager.

Sehen und hören Sie das gesamte Interview hier:

Hier finden Sie auch einen Nachbericht des MedianetEin akustisches Hörbild erschaffen“.

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Warum zum Teufel Klopapier? https://2023.comrecon.com/warum-zum-teufel-klopapier/ Tue, 07 Apr 2020 08:17:26 +0000 https://comrecon.com/?p=4590 [cs_content][cs_section parallax=”false” separator_top_type=”none” separator_top_height=”50px” separator_top_angle_point=”50″ separator_bottom_type=”none” separator_bottom_height=”50px” separator_bottom_angle_point=”50″ style=”margin: 0px;padding: 45px 0px;”][cs_row inner_container=”true” marginless_columns=”false” style=”margin: 0px auto;padding: 0px;”][cs_column fade=”false” fade_animation=”in” fade_animation_offset=”45px” fade_duration=”750″ type=”1/1″ style=”padding: 0px;”][cs_text class=”cs-ta-left”]

Ich sag’s ganz ehrlich: Ich frage mich langsam, woran liegt es, dass wir immer über Klopapier sprechen? Und, dass Regale während der Corona Krise einfach leer gekauft sind? Was ist los? Und vor allem beschäftigt mich die Frage: Was ist eigentlich mit mir los, weil ich kein Klopapier hamstere? Was stimmt mit mir nicht? Muss ich zum Arzt (nach Corona)?

Also beginne ich langsam, mir Gedanken zu machen, ob ich nicht auch Klopapier zu Hause einlagern sollte. Wem von ihnen ist es auch so gegangen?

Also möchte ich hier meine Hypothesen zum Thema Klopapier Hamsterkauf mit Ihnen teilen. Ich sehe dabei mehrere Effekte.

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Effekt 1: Klopapier das Symbol von Sicherheit und Kontrolle in Zeiten der Unsicherheit

Was kann es Schlimmeres geben, als kein Klopapier daheim zu haben? Nahrung kann ich mir besorgen und ich kann noch mal ein paar Tage ohne Nahrung Leben, aber was passiert, wenn ich kein Klopapier habe? Überlegen Sie mal – ich meine es ernst!

Wir stehen vor einer peinlichen und sehr unangenehmen Situation. Ein Tabuthema in unserer Gesellschaft wird offensichtlich. Die Körperfunktionen zur Erleichterung sind in unserer Gesellschaft einfach tabu. Wenn wir nun vom COVID -19 hören, haben wir Angst, die Kontrolle über uns zu verlieren.

Die Medien zeigen es ja sehr gut, dass wir völlig machtlos gegenüber COVID-19 sind. Das Virus verbreitet sich trotz aller Maßnahmen. Also, wenn es schon die Politiker und Ärzte nicht in der Hand haben, wie kann ich mich dann schützen? Da liegt es nahe, dass wir Menschen den Drang verspüren, uns und unsere Liebsten vor Schaden und Peinlichkeiten zu bewahren. Und was ist da wichtig für uns? Es ist die Selbstkontrolle und Selbstachtung. Denn, könnte ich noch in den Spiegel schauen, wenn ich mir nicht mal mehr den A… abwischen kann? Wie weit bin ich dann gesunken? Ich lebe quasi wie ein Tier, aber nicht mehr in meiner vollen Menschenwürde.

Bleiben wir beim Thema Kontrolle. Wir wissen derzeit gar nicht, wie lange die Ausgangssperre noch aufrecht erhalten bleibt. Wir wissen auch nicht, welche Maßnahmen umgesetzt werden. Die Politik setzt Maßnahmen in Windeseile, so dass in uns das System des Überlebens aktiviert wird. Also was, wenn wir nicht mehr raus dürfen und kein Klopapier mehr daheim haben?

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich kaufe Klopapier erst dann, wenn ich keines mehr habe. Ich denke den meisten geht’s genauso. Also, was, wenn wir zwei Wochen oder länger isoliert bleiben müssen, keine Chance haben uns vorzubereiten? Und was, wenn dann kein Klopapier mehr vorhanden ist? Dann haben wir ein sch… Problem.

Effekt 2: Klopapier kann durch nichts ersetzt werden

Noch ein Problem mit dem Klopapier: Klopapier ist nicht so einfach ersetzbar. Klopapier ist Klopapier. Oder wie sehen Sie das? Wer mag Klopapier schon substituieren? Und womit? Was bleibt denn, wenn es kein Klopapier gibt? O. k. dann gibt es Taschentücher, es gibt Küchenrollen, es gibt ääähhhh Stofftücher, Handtücher (*igitt*).

Mehr vernünftig Optionen fallen mir beim besten Willen nicht dazu ein. Und ganz ehrlich, ich mag Taschentücher und Küchenrollen nicht so gern an meinen intimen Stellen des Körpers. Und Sie?

Aber bei den Nahrungsmitteln zu substituieren fällt es uns leichter. Ich kann Tomaten durch Dosentomaten setzen oder umgekehrt, ich kann Bohnen in der Dose kaufen oder im Säckchen zum selber Einweichen über Nacht. Ich kann statt einer Zucchini eine Melanzani (Aubergine) nehmen, ich kann mal auf Fleisch verzichten und was anderes essen und dann gibt es noch die unzähligen Nudelvariationen. Also, die Knappheit hat nicht die gleiche Dramatik wie bei Klopapier.

Effekt 3: Die Wahrnehmung des Mangels als Auslöser von Furcht

Warum fällt uns das Klopapier denn überhaupt auf? Weil Klopapier grrrooooß ist! Es benötigt einfach riesen Flächen im Regal. Also, wenn dort ein paar Rollen fehlen, fällt das auf! Kauf ich mir die gleiche Menge Dosen oder Handdesinfektionsmittel, fällt es im Regal eher weniger auf. Es geht also auch noch um Wahrnehmungseffekte. Das ist der Scheiß mit Klopapier: viel Lagerfläche für wenig Produkt.

Das nächste Problem entsteht in unserem Kopf: Wenn das Regal ausverkauft ist, herrscht Knappheit, herrscht Notstand! Wir müssten also dringend etwas tun. In Social Media und auch den klassischen Medien wird quasi stündlich darüber berichtet, dass das Klopapier ausverkauft ist – da bekomm ich es auch langsam mit der Angst zu tun! Unser Überlebenssystem schaltet sich ein. Wir müssen also auch handeln – JETZT!

Effekt 4: Wenn alle kaufen, sollte ich auch mal was tun

Bilder von leeren Regalen und Einkaufswagen voller Vorräte haben die Nachrichten nahezu überschwemmt. Wir sehen Bilder von Panikkäufen und nehmen nach einer gewissen Zeit an, dass es doch einen Grund dafür geben muss. Und genau hier entsteht der Effekt, dass wir auch beginnen, verdammtes Klopapier zu kaufen, obwohl wir noch gar keines benötigen. Einfach, weil wir das Gefühl der Knappheit verspüren, und das macht unsicher.

Wir Menschen sind soziale Wesen und suchen permanent nach Hinweisen, was für uns gefährlich und was sicher ist. Wir erleben also gerade den Ansteckungseffekt der Angst. Und wenn wir sehen, dass etwas knapp wird, kaufen wir es auch und beginnen damit den Teufelskreis der künstlichen Knappheit.

Das ist auch der Punkt, an dem ich anfange, darüber nachzudenken, was mit mir nicht stimmt! Also fange ich fortan auch an, Klopapier zu kaufen. Ich will ja nicht die Einzige sein, die dann keines mehr bekommt, wenn es notwendig ist!

Effekt 5: Home sweet home – das Gefühl von Sicherheit

Aus meiner Sicht entsteht dieser Effekt dann, wenn ich alles, was notwendig ist zum Überleben, schön zu Hause gehortet habe. Ich das Gefühl der Sicherheit habe, mindestens die nächsten 3-4 Wochen, ohne das Haus zu verlassen, überleben kann. Dann wird’s gemütlich, dann ab auf die Couch, Päckchen Chips in der Hand, alles durcheinanderessen und trinken, was das Zeug hält. Wenn ich dann vom vielen Essen und Trinken Durchfall bekomme, auch egal. Ich habe ja genug Klopapier zu Hause.

Liebe Österreicher und Deutsche: Wir sind nicht allein mit unserem Wahn!

Am Ende möchte ich zur Ehrrettung der Österreicher und Deutschen doch auch betonen, dass nicht nur wir das Klopapier hamstern und horten, sondern noch ganz viele andere Länder dieser Welt wie Australien oder Japan. Wir sind mit unserer Urangst also nicht allein.

Die Urangst ist es, die uns eint!

Der klinische Psychologe und Autor von „The Psychology of Pandemics“, Steven Taylor, erklärt das Verhalten damit, dass das neuartige Coronavirus den Menschen Angst macht, weil es unbekannt ist, weil es neu ist. Wir hören viele widersprüchliche Botschaften und auch über das damit verbundene Risiko. Wir hören auch von unseren Politikern, dass wir uns darauf vorbereiten sollen. Die logische Schlussfolgerung aus seiner Sicht ist, dass Menschen auf Extreme zurückgreifen. Er sagt, wenn du Menschen sagst, dass etwas Gefährliches kommt, aber alles was sie tun müssen, ist ihre Hände zu waschen, scheint die Aktion nicht proportional zur Bedeutung zu sein. Heißt, wir glauben nicht, dass das alleine wirken soll. In unserem unbewussten System geht ab: „Besondere Gefahr erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen.“

Ob da wohl auch der Spruch: „Ich sch… mich an!“ herkommt?

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Humor im Marketing. Mehr Schlagkraft für Ihre Kommunikation | Seminar mit Eva Ullmann & Charlotte Hager [6. März 2020, Wien] https://2023.comrecon.com/humor-im-marketing-kraft-durch-humorvolles-storytelling/ Thu, 10 Oct 2019 15:45:52 +0000 https://comrecon.com/?p=4496
Eva Ullmann, Humorexpertin und Charlotte Hager, Semiotikerin führen einen HumorDialog über wirksamen und schädlichen Humor in der Werbung. Nach diesem Seminar kennen Sie die Erfolgsfaktoren wirksamer Humor-Kampagnen in Vertrieb und Marketing. Ebenso erhalte Sie Einblick in Humortechniken für Verkaufsgespräche.
Mehr Informationen zum Seminar erhalten Sie hier – melden Sie sich schnell an – die Plätze sind begrenzt.
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SEMPL21 conference | Keynote: Audio use of the Future! [9:50 Uhr, 29. November 2019, Portorož, Slowenien] https://2023.comrecon.com/sempl-conference-speaker-charlotte-hager/ Thu, 10 Oct 2019 10:03:59 +0000 https://comrecon.com/?p=4489

SEMPL is a must-attend conference for everyone who wants to stay in touch with the latest marketing, media and communication trends. Charlotte Hager presents “Planet Audio 2025”: Think the Present, Model the Future! A creative mixed-method approach of Online Forums and Lego® Serious Play® Workshops. Für mehr Informationen zur Konferenz klicken Sie hier.

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Nationalratswahl 2019 https://2023.comrecon.com/nationalratswahl-2019-die-versteckten-botschaften-der-wahlplakate/ Mon, 23 Sep 2019 18:45:29 +0000 https://comrecon.com/?p=4422 [cs_content][cs_section parallax=”false” separator_top_type=”none” separator_top_height=”50px” separator_top_angle_point=”50″ separator_bottom_type=”none” separator_bottom_height=”50px” separator_bottom_angle_point=”50″ style=”margin: 0px;padding: 45px 0px;”][cs_row inner_container=”true” marginless_columns=”false” style=”margin: 0px auto;padding: 0px;”][cs_column fade=”false” fade_animation=”in” fade_animation_offset=”45px” fade_duration=”750″ type=”1/1″ style=”padding: 0px;”][cs_text class=”cs-ta-left”]

Die versteckten Botschaften der Wahlplakate. Eine semiotische Analyse der Wahlplakate zur Nationalratswahl 2019 in Österreich

Wir erleben wie jedes Mal einen Wahlkampf der Mimik, Gestik und auch der Bildbotschaften und geschriebenen Versprechen. Wir werfen einen Blick darauf: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Auch im Wahlkampf.

In a nutshell: Sebastian Kurz präsentiert sich als primus inter pares mit dem Ziel Klarheit und Stabilität zu schaffen. Das Dreamteam Norbert Hofer und Herbert Kickl – gemeinsam Bestehendes bewahren und Gefahren verhindern. Pamela Rendi-Wagner als schwache Heldin, die das Volk braucht und Verantwortung abgibt. Die Grünen, die uns zum Perspektivenwechsel führen, aber uns ebenso mit der Buntheit überfordern. Die Neos, die mit komplexen Botschaften nur Insider erreichen.

ÖVP – eine klare Storyline und Inszenierung eines „Helden“

Bei der ÖVP sieht man eine klare Storyline durch die verschiedenen Werbewellen.
In der ersten Welle wurde Sebastian Kurz klar als einer von uns inszeniert. Gemeinsam mit Menschen, als primus inter pares. Er agiert auf Augenhöhe, lacht und zeigt Aufmerksamkeit gegenüber anderen. Die Plakate sind auch sehr stimmig und klar aufgebaut: Lesefluss von links oben nach rechts unten. Die Doppelung von „Die neue Volkspartei“ ist kein Zufall. Wir lesen links oben worum es geht, entschlüsseln Bild und Textbotschaft und finden den Schlusspunkt wieder im Absender und vor allem der klaren Handlungsaufforderung des Kreuzchens vor ÖVP.

Die türkisen Linien gehen erst nach unten, dann nach oben, Sebastian Kurz darin eingebettet. „Das ist mein Kanzler“ antizipiert, dass er Kanzler ist und bleiben soll.

Wahlslogan 2019 der ÖVP: einer der am Boden bleibt
©ÖVP

„Einer, der am Boden bleibt.“ zeigt ehrliche Freude und Spaß. Sowohl bei Sebastian Kurz als auch beim kleinen Buben. Bild und Text verstärken einander in der Botschaft: Kurz ist geerdet, hat Spaß, ist menschlich und nahbar. Auch, wenn er Hemd und Sakko trägt.

Wahlslogan 2019 der ÖVP: einer der unsere Sprache spricht
©ÖVP

„Einer, der unsere Sprache spricht.“ zeigt Sebastian Kurz in privater Kleidung – er ist auf Augenhöhe mit der Bevölkerung. Inmitten der Natur spricht er mit zwei Frauen beim Wandern. Es ist ein echtes Gespräch. Wir sehen Kurz, wie er der Frau zuhört.

Wahlslogan 2019 der ÖVP: einer der in Europa Stärke zeigt
©ÖVP

„Einer, der in Europa Stärke zeigt“ zeigt Kurz inmitten von Journalisten, bedrängt und dennoch wirkt er gelassen, stark und den Fragenden zugewandt. Seine linke Schulter leuchtet heroisch. Er zeigt Lockerheit und Rückgrat. Er vermittelt hier Stärke und Einsatz. In Kombination mit dem Text erleben wir auch hier eine Verstärkung der Botschaft: Er zeigt da draußen Stärke für uns.

Wahlslogan 2019 der ÖVP: einer der auf unsere Werte schaut
©ÖVP

„Einer, der auf unsere Werte schaut.“ Werte sind ein wichtiges Wort. Gesellschaften wollen ihre Werte nicht verletzen. Welche Werte das sind, sehen wir durch die Abbildung der Personen: Es sind die älteren Generationen, die Halt in der Gesellschaft behalten wollen. Irritierend ist hier jedoch die Text-Bild-Kombination: Der Hauptakteur ist der ältere Mann mit dem erhobenen Zeigefinger. Sein Mund leicht geöffnet, er spricht gerade. Kurz sehen wir unscharf von hinten und er ist weiter oben als die anderen Personen. Die Gestik des älteren Mannes in Kombination mit dem Text ergibt eine ungewollte Entschlüsselung: Hier wird nämlich ausgessagt, dass der ältere Mann derjenige ist, der auf unsere Werte schaut, nicht Kurz. Eine andere Gestik des älteren Mannes wäre hier besser gewesen. Beispielsweise ein wohlwollendes Zuhören und Nicken.

Die erste Werbewelle zeigt also Sebastian Kurz in vielen Rollen, jedoch immer menschlich, geerdet, sicher und souverän. Die vermittelten Werte dieser Welle: bewahren, Sicherheit, Erdung, Menschlichkeit und Nähe.

Die zweite Werbewelle zeigt eine klare Botschaft – ich schaffe Klarheit:

Wahlslogan 2019 der ÖVP: Klarheit schaffen Kurz wählen
©ÖVP
Der Blick von Sebastian Kurz geht von rechts nach links, leicht gegen Mitte. Sein Blick ist klar, fokussiert und bestimmt. Sein Mundwinkel ist einseitig leicht nach oben gezogen, was sein Vorhaben und die Aussage untermauert – er ist sich seiner Überlegenheit bewusst.

Die Farbgebung des Bildes ist auch zu bemerken: Als wäre ein leichter Silberfilter über sein Gesicht gelegt. Er wirkt klar, fein, glatt und ein wenig stählern. In seinem Rücken die Österreich-Fahne und der Blick zurück zu dem was ist und war. Er ist bereit, Klarheit zu schaffen und den Weg zu ebnen. Nun sehen wir rechts unten wiederum eine klare Aussage, diesmal: „Österreich braucht seinen Kanzler!“ Ein klarer Appell an die Bevölkerung, eine Feststellung.

Fazit zur Wahlkampagne der ÖVP

Die ÖVP inszeniert ihren Spitzenkandidaten Sebastian Kurz als Helden, der dem Volk nahesteht. Er ist primus inter pares, einer von uns, der unsere Sprache spricht. Er präsentiert sich stark, geerdet und bereit aufzuräumen und Klarheit zu schaffen. Eine klare Storyline ist erkennbar: Zuerst zeigt er sich als Teil der Gesellschaft und dann geht er gestärkt im Sinne des Volkes hinaus, um Klarheit zu schaffen.

FPÖ – Good Guy / Bad Guy mit verschiedenen Botschaften

Die FPÖ trumpft auf mit dem Prinzip Good Guy / Bad Guy und präsentiert zwei Frontmänner mit Norbert Hofer und Herbert Kickl. Auffällig, dass Norbert Hofer sich als der Fröhliche und Lachende präsentiert. Kickl kommt mit ernsten Themen und pocht auf Sicherheit und Kontrolle. Auffällig ist, dass die Plakate keine Storyline haben, keinen roten Faden, uneinheitlich wirken. In der Vergangenheit hat die FPÖ dies perfekt beherrscht.

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Einer der unsere Werte noch lebt
©FPÖ

„Einer, der unsere Werte noch lebt.“ Ein ähnlicher Spruch wie bei Kurz. Wer hat’s erfunden? „Einer, der …“ ist sehr beliebt, wie wir sehen, denn er wird von Kurz, Hofer und Kickl verwendet. Er hebt Einzelpersonen hervor und präsentiert sie in ihrer Stärke und ihrem Versprechen nach Außen.

Hofer präsentiert sich in der Natur, jedoch ist der Hintergrund kühl, blass und wirkt kalt. Das Stahlgitter ist ein Zeichen. Es steht für Abgrenzung, seine Hand am Zaun zeigt, dass er es im Griff hat. Hätte er Natur und mehr Natürlichkeit vermitteln wollen, wäre mehr Farbigkeit zu sehen und auch das Gitter wäre z.B. aus Holz gewesen. Die Jacke ist ein Zeichen: Jack Wolfskin ist die Outdoor-Marke der breiten Masse. Darunter sehen wir ein Hemd – er ist doch noch in seiner Rolle, also nicht ganz privat.

Die Frage stellt sich hier nach den Werten. Der Text kann die Bildbotschaft nicht verstärken. Am ehesten noch wird der Wert der Sicherheit (Stahlgitter) subtil vermittelt.

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Fair Sozial Heimattreu
©FPÖ

„Fair. Sozial. Heimattreu.“ zeigt Hofer vor und in einer mit Pinsel gemalten Rot-Weiß-Rot-Fahne. Er verschmilzt quasi damit. Das Logo ist links oben – zuvor war es rechts oben. Botschaft hier: Koalition fortsetzen. Mit einem Lachen im Gesicht. Das Bild ist Ausdruck von Beständigkeit. Die Punktion unterstreicht jeden einzelnen Wert, es ist keine reine Aufzählung. Die Werte sind Begriffe, mit denen jeder Mensch eine Verbindung hat – dadurch spricht er damit die breite Masse gut an.

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Einer der unsere Sprache spricht
©FPÖ

„Einer, der unsere Sprache spricht.“ zeigt einen Herbert Kickl, der seine Hände so hält, als würde er etwas besonderem Ausdruck verleihen wollen, er das Verstehen vom Gegenüber einfordert und die Dringlichkeit betont. „Unsere“ ist nicht die Gesellschaft, sondern die Polizei. Kickl steht für Kontrolle und dafür, dass er mit der Fahne im Rücken Gesetze durchsetzen kann.

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Einer der unsere Heimat schuetzt
©FPÖ

„Einer, der unsere Heimat schützt.“ zeigt Herbert Kickl vor einer Landschaft montiert – er ist nicht Teil davon. Der Hintergrund soll das Wort „Heimat“ untermauern. Aber Heimat ist ein Gefühl und nicht nur Berge. Sein Blick ist starr, ernst und frontal zum Betrachter ausgerichtet. Das Plakat ist wiederum anders aufgebaut als das mit Norbert Hofer.

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Mit Sicherheit fuer Oesterreich
©FPÖ

„Mit Sicherheit für Österreich.“ Kickls Handhaltung sagt: „Begreifst du das?“ Seine Hände haben etwas Bewahrendes, er will etwas verständlich machen. Auch hier die Flagge als Pinselstrich – Kickl gestaltet Österreich. Er will etwas fortsetzen und bewahren.

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Zwei die zu euch halten
©FPÖ

„Zu, die zu Euch halten“. Jene Plakate, wo beide als Duo auftreten und den Zusammenhalt ausdrücken. „Zu euch halten“, „für dich“ sind klare Ansagen, klare Versprechen. Das Motiv: füreinander da sein, sich einsetzen, zusammen mehr erreichen. Stabilität wird vermittelt. Norbert Hofer ist der, der freundlich in die Zukunft blickt, während Herbert Kickl leicht zur Seite blickt. Ernst, fokussiert – er hat wie immer alles im Blick.

Die zweite Werbewelle zielt ab auf die Vermeidung von angenommenen Gefahren:

Wahlslogan 2019 der FPÖ: Besser fuer Oesterreich
©FPÖ
Wahlslogan 2019 der FPÖ: Schwarz Gruen gefaehrdet deine Sicherheit
©FPÖ

Nun versucht die FPÖ, die drohende Gefahr durch „Falschwahl“ zu verhindern und zeigt auf, was man nicht wollen sollte. Es geht nicht mehr um Versprechen des Tuns, sondern um klaren Mitbewerb. Bei allen Sujets sehen wir die Fahne mit dem Bundesadler, um die Förmlichkeit zu untermauern. Die Bild-Text-Kombination wirkt bei beiden „Schwarz-Grün gefährdet DEINE Zukunft.“ irritierend und unstimmig. Norbert Hofer lacht ohne ersichtlichen Grund. Es herrscht Gefahr! Und Herbert Kickl hat auch einen für ihn seltenen Grinser im Gesicht. So, als was würde er es selbst nicht so ernst nehmen, was er sagt. „Ohne uns kippt Kurz nach links“ hingegen spiegelt die Ernsthaftigkeit in seiner Mimik wider.

Fazit zur Wahlkampagne der FPÖ

Die Chancen werden durch das Duo erhöht. Jedoch fällt auf, dass der Stil der Plakate – im Gegensatz zu früheren Zeiten – ungeordnet, unstrukturiert und teilweise in Bild-Text-Botschaft unstimmig ist. Die beiden wollen Bestehendes erhalten, Gefahren verhindern, sie wollen ein Miteinander, sind für „euch“ da und wollen Einigkeit und Stabilität bewahren. Die klaren Versprechen fehlen.

SPÖ – Eine schwache Heldin für mehr Menschlichkeit

Die SPÖ hat einen Claim mit vielen Versprechen. Allen liegt die Hoffnung, die heile Welt zugrunde. Die hier dargestellte „Menschlichkeit“ hat vielmehr mit Fairness und Gerechtigkeit zu tun. Die roten Textfelder wirken wie ein Abrissband mit Buchstaben. Diese wurden untereinander geklebt, mal geht der Streifen nach oben, mal nach unten. Die Botschaften wirken dadurch zerrissen und willkürlich. Auch Text und Claim finden sich immer wieder an verschiedenen Stellen. Es ist keine Einheitlichkeit ersichtlich.

Wahlslogan 2019 der SPÖ: Menschlichkeit siegt
©SPÖ

„Nur gemeinsam schaffen wir es aus der Klimakrise.“ zeigt Pamela Rendi-Wagner mit einer Gruppe an Personen vor einem natürlichen Hintergrund – jedoch sieht man deutlich, dass sie vor einer Kulisse stehen. Das Szenario ist also nicht echt, es ist künstlich. Auch bei Mimik und Körperhaltung sieht man viele subtile (falsche) Botschaften. Die Frau rechts neben ihr hat eine leicht abgewandte Körperhaltung. Auch Rendi-Wagners Oberkörper ist leicht nach hinten gebeugt. Ihre Hände sind nach oben offen, sie versucht etwas zu erklären. Ihre Mundwinkel nach hinten zeigen leichte Unsicherheit und auch den Nachdruck, dass sie will, dass ihr Gegenüber sie versteht. Das Gegenüber aber zeigt einen eher skeptischen Blick. Auch der Mann rechts hinten mit dem grünen Shirt wirkt eher skeptisch als zugewandt. Und auch der Mann mit dem blauen Shirt – er hat seine Oberlippe leicht nach oben gezogen – er zweifelt. Einzig die Frau mit dem „Planet B“ T-Shirt zeigt Zugewandtheit, wirkt aber sehr gestellt. Rendi-Wagner versucht die Personen zu überzeugen, aber es gelingt ihr nicht. Sie wirkt schwach.

Wahlslogan 2019 der SPÖ: Erstklassige Medizin fuer alle
©SPÖ

„Nicht länger warten: Erstklassige Medizin für alle.“ zeigt auch eine Menschengruppe im montierten Grün. Die Frau und der Mann im grünen Shirt sind die gleichen wie am vorigen Plakat. Die beiden älteren Personen zeigen unglaubwürdige Mimik. Vor allem die ältere Dame wirkt skeptisch: Ihr Kopf ist leicht geneigt, die Lippen leicht nach hinten gezogen und ihr Blick geht zum Betrachter. Der älterer Mann blickt in Rendi-Wagners Rückseite, er blickt starr und ernst. Einzig das kleine Mädchen freut sich. Doch was haben Bild und Text miteinander zu tun? Die Botschaften ergänzen oder erklären einander nicht.

Wahlslogan 2019 der SPÖ: Nur gemeisam schaffen wir es aus der Klimakrise
©SPÖ

Wahlslogan 2019 der SPÖ: Von einem Vollzeitjob muss man leben koennen
©SPÖ

Wahlslogan 2019 der SPÖ: Menschlichkeit siegt wenn du sie waehlst
©SPÖ

Die Einzelsujets zeigen Rendi-Wagner ernst und lachend vor natürlichem Hintergrund. Das mittlere Sujet ist unstimmig in Bild und Text: Wieso lacht sie bei der Botschaft? Die roten Textstreifen gehen kreuz und quer, wirken wackelig und instabil. Das rechte Sujet wirkt am klarsten und vermittelt, wofür sie steht. „Wenn du sie wählst.“ zeigt, dass Rendi-Wagner die personifizierte Menschlichkeit sein soll. Und die Aufwärtsbewegung des Streifens zeigt auch einen Aufwärtstrend.

Fazit zur Wahlkampagne der SPÖ

Pamela Rendi-Wagner präsentiert sich als schwache Heldin, die unsicher vom Plakat blickt. Sie gibt die Verantwortung an die Gesellschaft ab. Sowohl auf der Bild- als auch auf der Textebene: „man“, „gemeinsam“, „muss man“ etc. Die Plakate zeugen eher von Zerrissenheit als von  Stärke, etwas zu verändern. Das „M“ in Herzform hätte Potenzial für ein starkes Symbol, wird aber nicht weiter genutzt oder aufgeladen.

Die Grünen – Bewusstseinsbildung und Comeback wichtiger Themen, die in der Buntheit absaufen

Werner Kogler als Spitzenkandidat präsentiert sich in einer Körperhaltung der Bereitschaft und Ernsthaftigkeit. Mit dem Text schaffen Die Grünen etwas außerordentlich Cleveres: Die Frage „Was würde … wählen“ ist eine projektive Frage, nahezu hypnotisch. Sie führt uns aus unserer engen Denke heraus und lässt uns die Dinge anders betrachten. Nämlich aus der Sicht des Klimas zum Beispiel. Die Buntheit und die knalligen Farben auf den Plakaten machen dies jedoch wieder kaputt. Schwere Lesbarkeit und Entschlüsselung der Bildbotschaft machen dem Betrachter die Entschlüsselung schwer.

Wahlslogan 2019 der Grünen: Saubere Umwelt Saubere Politik
©Die Grünen

Wahlslogan 2019 der Grünen: Comeback sauberer Politik
©Die Grünen

„Saubere Umwelt. Saubere Politik.“ Werner Kogler zeigt in diesem Sujet mit seiner Körperhaltung Bereitschaft. Er stellt sich dem Thema, ist bereit. Man sieht aber auch, dass seine Hüfte leicht einknickt, wodurch eine leichte Schwäche signalisiert wird. Das Hemd ist ein seriöses Zeichen, die Hemdsärmel sind hochgekrempelt. Auch das zeugt von der Bereitschaft.

Das rechte Sujet zeigt Kogler etwas näher, der Text wird kürzer: „#Comeback Saubere Politik“ wirkt eindringlicher als die linke Botschaft. Das Gesicht ist offen und freundlich.

Wahlslogan 2019 der Grünen: Wen wuerde die Gleichberechtigung wählen
©Die Grünen

Wahlslogan 2019 der Grünen: Wen wuerde unsere Zukunft waehlen
©Die Grünen

Wahlslogan 2019 der Grünen: Wen wuerde die Gerechtigkeit waehlen
©Die Grünen

Wahlslogan 2019 der Grünen: Wen wuerde die Bildung waehlen
©Die Grünen

Wahlslogan 2019 der Grünen: Wen wuerde das Klima waehlen
©Die Grünen

Wahlslogan 2019 der Grünen: Wen wuerde der Anstand waehlen
©Die Grünen

Weitere Plakate zeigen massive Textbotschaften, die vor bunten Hintergründen in knalligen Farben erscheinen. Diese Dominanz der Farbe wirkt fast penetrant, sie ist auffällig, aber dennoch schwer dekodierbar. Die Bilder im Hintergrund sind kaum erkennbar, der Text sauft regelrecht in der Buntheit ab. Einzig das erste Sujet wirkt klar als Botschaft: Text auf grünem Hintergrund.

Was den Grünen dennoch mit dem Text gelingt, ist, dass sie Menschen dazu bringen, dass sie aus ihrer Denke herauskommen. Es ist quasi eine hypnotische Frage, „Stell dir mal vor, das Klima könnte wählen. Wer wäre das?“ Die Antwort könnte „Die Grünen“ lauten und möglicherweise nicht die sonst favorisierte Partei. Der Text schaffst es also, über den Tellerrand zu blicken, die Perspektive zu wechseln und kurz innezuhalten. Wem das Thema generell egal ist, wird auf die Botschaft auch nicht reflektieren.

Die Bild-Text-Kombi wirkt jedoch knallig, kompliziert, verworren und erreicht damit die Betrachter nicht in der gewünschten Form.

Die hier vermittelten Werte sind Anstand, Vernunft, Miteinander und Zukunft.

Fazit zur Wahlkampagne der Die Grünen

Die Grünen appellieren an die Vernunft und wollen Veränderung. Es geht ihnen in den Botschaften um Bewusstseinsbildung und das Comeback nicht nur für die Grünen, sondern vor allem für die transportierten Themen Klimaschutz, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung usw. Die Texte fallen jedoch der Buntheit zum Opfer.

Die Neos – Schwierige Botschaften für einen Kreis an Eingeweihten      

Neos schwimmen gegen den Strom und wollen Bestehendes verlassen – dies sieht man auch in den Plakaten.

Wahlslogan 2019 Neos: Ideen fuer die Zukunft
©Neos

Wahlslogan 2019 Neos: Irmgard Griss
©Neos

In der ersten Werbewelle der Neos war noch Farbe in den Plakaten, es präsentierte sich nicht nur Beate Meinl-Reisinger. Die langen Textbotschaften erfordern viel Aufmerksamkeit und sind auch inhaltlich fordernd. Die Entschlüsselung wird erschwert durch den entgegengesetzten Lesefluss von rechts oben beim Logo über die Mitte mit der Vertreterin nach links unten zu Text und Absender.

Im letzten Wahlkampf waren die Neos noch komplizierter mit den rückwärts geschriebenen Botschaften. Man kann also von einer leichten Verbesserung sprechen.

Wahlslogan 2019 Neos: Umwelt und Wirtschaft verbinden
©Neos

Die nächsten Plakate sind wie auch schon wie früher in Schwarz-Weiß gehalten. Was im Umfeld zwar auffällt, ist von der Bedeutungsgebung jedoch stark reduziert. Schwarz-Weiß ist farblos, damit weniger lebendig und erinnert an vergangene Zeiten. Der Text wird kürzer, aber dennoch für die Masse nicht klarer. Ihr Blick geht bei der Textbotschaft „Umwelt & Wirtschaft verbinden. Macht sonst keiner“ in Richtung Vergangenheit (Blick nach links). Ein Mundwinkel ist leicht nach oben gezogen, was auf Überlegenheit hinweist. Der Claim im rosa Kasten erklärt nicht, was in der weißen Headline gemeint ist. Dafür ist die Headline zu abstrakt und kann nur von politisch versierten Personen verstanden werden. Der rosa Kasten hat eine nach hinten gerichtete Schräge, die das Gesagte quasi abbremst. Dies ist bei den Folgesujets dann nicht mehr der Fall.

Wahlslogan 2019 Neos: Bildung ueber alles stellen
©Neos

Wahlslogan 2019 Neos: Postenschacher stoppen
©Neos

Die nächste Werbewelle wurde heller, Graustufen statt Schwarz-Weiß wirkt etwas freundlicher und Meinl-Reisinger lächelt mehr. Die Frage ist nur, ob dies zur Botschaft stimmig ist. „Bildung über alles stellen“ ist wie eine Headline in einer Tageszeitung, die dann eines weiterführenden Artikels bedarf. Als Versprechen am Plakat ist sie zu abstrakt, um die Masse zu erreichen.

„Postenschacher stoppen“ mit Blick in die Zukunft wirkt ebenso unstrukturiert im Bild-Text-Aufbau. Das Auge muss sich erst zurechtfinden. Ein Blick in die Vergangenheit wäre hier besser – zurückschauen auf das was nicht gut läuft und das beenden.

Wahlslogan 2019 Neos: Macht sonst keiner
©Neos

Die letzte Plakatwelle wird noch heller, Meinl-Reisinger erstrahlt fast in einem hellen Grau. Sie lacht, schaut freundlicher. Die Botschaften bleiben jedoch gleich abstrakt und lassen teilweise Fragen offen, was denn da genau gemeint ist.

Werte, die vermittelt werden: Mut, Bestehendes verlassen, gegen den Strom schwimmen, Kompliziertheit.

Fazit zur Wahlkampagne der Neos

Die Neos reduzieren auf die Ratio, präsentieren sich mit schwierigen Botschaften, die Know-how voraussetzen. Schwarz-Weiß bzw. Graustufen fallen im Mitbewerb zwar auf, jedoch sehen wir Farblosigkeit und damit weniger Lebendigkeit als bei den anderen Parteien. Die Botschaften richten sich an Neos-affine, aber nicht an die breite Masse.

Fazit Wahlwerbung zur Nationalratswahl 2019

Die einzelnen Parteien inszenieren ihre Helden auf unterschiedlichste Art.

Reihung nach Klarheit und Stärke der Botschaften:

  1. ÖVP: Die klarste Botschaft hat die ÖVP mit einer klaren Storyline und einem Helden, der als primus inter pares auftritt.
  2. FPÖ: Die FPÖ punktet durch das Good Guy / Bad-Guy-Spiel und der Bestärkung, dass es Einigkeit und Stabilität braucht.
  3. Die Grünen: Vernunft, Veränderung, Umdenken und Comeback wichtiger Themen stehen im Vordergrund, werden aber von der Buntheit der Bilder erschlagen.
  4. SPÖ: Eine schwache Heldin wird uns präsentiert, die die Verantwortung abgibt und Hilfe in der Gesellschaft sucht.
  5. Neos: Nicht für alle! Gegen den Strom als Motto – auch bei der Gestaltung der Plakate. Bestehendes Verlassen, anders sein. Jedoch wirkt es kompliziert und nicht einfach.

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